Literatur von Amos Oz

Ich gestehe, ich habe eine geheime Agenda, spätestens seit ich angefangen habe im Buchhandel zu arbeiten. Die Agenda ist: differenzierter Lesen. Nicht mehr nur das, was mir einfach so gefällt oder worauf ich zufällig stoße, sondern mit Plan, mit Blick auf das ganze. Seien es Preise, Messen, Politik, Geschichte, Sprachen und Kulturen. Teil dieser Agenda ist auch Literatur aus dem Nahen Osten. Und Teil der Literatur aus dem Nahen Osten ist ohne Zweifel der israelische Schriftsteller Amos Oz. Ich hatte noch nichts von diesem Schriftsteller gelesen, als ich erfuhr, dass er ein Buch mit dem Titel “Judas” herausbrächte. Ich war sofort fasziniert. Ein Buch aus dem Hebräischen, von einem Schriftsteller aus Jerusalem über eine der faszinierensten Figuren des Neuen Testaments? Ich war wie gesagt gebannt, kam aber lange nicht dazu das Buch zu lesen, lass zuerst ein anderes Buch von Amos Oz (“Unter Freunden”) und habe “Judas” erst jetzt endlich heute beendet.

Mein Urteil? Vielleicht hätte dem Buch weniger Erwartung meinerseits gut getan.

Wer Amos Oz kennt und mag wird hier gewiss nicht enttäuscht werden. Die Prosa ist von guter Qualität und ließt sich flüssig. Aber, wenn ich nach der Lektüre dieser zwei Bücher etwas über Ams Oz’ Bücher sagen kann, dann dass man nicht zuviel an Plot erwarten darf. Ein Mann bricht sein Studium ab und nimmt einen Job an. Dass man trotz dieses Mangels an Plot das Buch gut lesen kann liegt an der Unmenge von interessanten Dingen, die Amos Oz mit hineinschreibt, sei es “Judas aus Sicht der Juden”, das Thema der abgebrochenen Abschlussarbeit der Hauptfigur oder aber die Geschichte Israels, auf welche die Hauptfigur in ihrem neuen Job trifft. Beide Themen finde ich sehr interessant und wecken tieferes Interesse, zu einer spannenden Lektüre konnten sie den Roman nicht machen.

Aus diesem Grund sei dieses Buch für Liebhaber von Amos Oz und Interessierte der israelischen Geschichte und der mosaischen Religionen durchaus empfohlen, alle anderen kommen in Gefahr das Gefühl zu bekommen ihre Zeit zu vergeuden.

Um einen “Liebesromane” oder “ein Buch über das Land und das geteilte Jerusalem”, wie der Verlag behauptet handelt es sich meiner Meinung nach nicht.Ein symptomatisches Zitat:

‘Pause. Komm ich die Küche. Jetzt werden wir uns zehn Minuten hinsetzen und Kaffee trinken. Ich sitze am Tisch und du bedienst mich. Du könntest mir sogar noch ein Papierschiffchen falten. Es gibt auf der Welt nur eie Sache, bei der dir keiner das Wasser reichen kann, und das sind Papierschiffchen. DU kannst dir auch ein Brot mit Marmelade oder Käse machen, damit du nicht hungrig von mir weggehst.’

Schmuel murmelte: ‘Ich gehe von dir viel hungiger weg, als ich bei meiner Ankunft war.’

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