M. Sandel and the Face

Michael Sandel führt uns in seinem Buch “Gerechtigkeit” vor ein interessantes Dilemma:
Man stelle sich folgende zwei Szenarios vor:
1. Man ist der Führer einer Lok, die Bremsen sind defekt und wir fahren mit voller Geschwindigkeit auf fünf Gleisarbeiter zu. Da tut sich die Möglichkeit auf, auf ein Nebengleis auszuweichen, wo “nur” ein Gleisarbeiter steht. Die meisten Leute(auch ich) würden instinktiv angeben, dass sie das Gleis wechseln würden, um statt fünf “nur” einen Gleisarbeiter überfahren zu müssen.
2. Man ist Zuschauer der gleichen Ausgangssituation. Statt dem Nebengleis ergibt sich die Möglichkeit eine Person, die neben einem steht auf die Gleise zu schubsen, was (im Gedankenexperiment!) den Zug stoppen würde. Und nein, sich selbst kann man nicht opfern!
Die meisten Leute(auch ich)würden diese Möglichkeit affektiv ablehnen.

Warum?

Warum sind wir einmal bereit eine Person zum Wohl von fünf anderen zu opfern, also streng utilitaristisch zu handeln und beim anderen mal nicht?

Nachdem ich eine ganze Weile darüber nachgedacht habe, ist meine erste Vermutung, dass es mit dem Antlitz zusammen hängt. Es scheint ganz banal, oder vielleicht auch doch nicht so banal, wie nah wir der zu opfernden Einzelperson – im wortwörtlich – physischen Sinne stehen.
Umso näher sie uns ist, umso deutlicher wir ihr Antlitz sehen umso schwerer fällt uns die Opferung, bis hin zur Unmöglichkeit.

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