Nicht-ausreichende Talente

Was tun, wenn man Talente hat, die aber kein Geld einbringen?

Und damit meine ich nicht einmal die allseits bekannten „brotlosen Künste“.

Nein, was, wenn man Talente hat, die einen zwar für allgemein anerkannte Jobs qualifizieren, aber nur für solche, die nicht viel Geld, ja vielleicht nie genug Geld zum Leben einbringen?

Wenn ich in letzter Zeit darüber nachdenke, habe ich nämlich das Gefühl, nur genau eine Sache gut zu können. Und die, wird mich nie zum Millionär, ja nicht einmal zu jemandem machen, der ein Leben wird führen können, wie er es bisher, durch Unterstützung der Eltern gewohnt war.

Wie ich auf diesen Allgemeinplatz komme?

Tatsächlich nicht nur durch mein eigenes Solo-Kopf-Dauerschleifen-Kino, nein.

Ich sitze mit einer Freundin beim Mittagessen, als deren Mitbewohnerin, in ihrer Rolle als unsere Bedienung an uns herantritt. Wir unterhalten uns eine kurze Weile (wenig los im Restaurant) und die Mitbewohnerin äußert Folgendes:

„Ich versuche immer noch irgendein verborgenes Talent zu entwickeln, mit dem ich dich überraschen kann.“

Verwirrung aufseiten der gemeinsamen Freundin, aber mir ist sofort klar, was gemeint ist.

Die gemeinsame Freundin hat zwar auch inzwischen einen kleinen Knick im Lebenslauf, aber an sich, ist sie eine Person mit vielen Talenten, die es durchaus auch schafft, diese Talente erfolgreich auszuleben. (Dazu zählen sehr gute Noten im Studium und kleinere Auftritte als Sängerin, gepaart mit einer Persönlichkeit, die viele – bestimmt auch zukünftige Personalchefs – für sie einnehmen wird.)

Die Mitbewohnerin und meine Wenigkeit sind die traurigen Gegenstücke dazu.

Sie sieht sich selbst als wohl recht talentlos(?)… ich sehe meine Talente als wahrhaft (und wortwörtlich) wenig Brot bringend, bis schlicht nicht ausreichend.

Dankbar bin ich allein dafür, dass dieses Ungleichgewicht keine negativen Gefühle gegenüber Glücklicheren in mir hervorruft… nur manchmal schlaflose Nächte, voller Sorgen über eine Zukunft, die nicht so rosig auszusehen scheint, wie sie Herkunft und Bildung zu Anfang vielleicht versprachen.

Tatsächlich, um eine Verbindung zur aktuellen Politik zu schlagen, würde da so etwas wie ein Mindestlohn, der garantiert, dass, wenn man Vollzeit arbeitet, mensch genug verdient, um ohne Unterstützung von Eltern oder dem Staat ein einigermaßen lebenswertes Leben führen zu können, sehr entspannen.

Es grüßt eine failed-Intellectual auf der Suche nach dem Lux in der Obscuritas ihrer momentanen Lage.

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